Niedersachen klar Logo

Vereinfachte Flurbereinigung Trögen – Vorstand gewählt, nun kommt die Aufstellung des Wege- und Gewässerplanes

Trögen ist ein Ortsteil von Hardegsen im Landkreis Northeim am Fuß des Höhenzuges Weper. Die Ortschaft liegt etwa fünf Kilometer nördlich der Kleinstadt Hardegsen am Sollingrand in einer kleinräumigen Talmulde (=Trögen) des Flusslaufes Espolde im Solling. Die langgestreckte Ortschaft ist landwirtschaftlich geprägt; die Eigentumsparzellen im alten Dorfteil gliedern sich in Grünland am Hof, Ackerland am Hang und Waldanteile am Bergkamm (siehe Bild 1). Die Feldwege und Gräben laufen ausnahmslos parallel zur Hangneigung.

Bild 1: Nördlicher Teil der Gemarkung Trögen – Luftbild mit Katastergrenzen (Quelle: LGLN-Viewer) Bildrechte: Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN)
Bild 1: Nördlicher Teil der Gemarkung Trögen – Luftbild mit Katastergrenzen (Quelle: LGLN-Viewer)

Bereits im November 2020 wurde der Einleitungsbeschluss für die Vereinfachte Flurbereinigung Trögen erlassen. Das Verfahrensgebiet umfasst eine Größe von rund 265 ha mit 325 Flurstücken; damit hat die durchschnittliche Eigentumsparzelle eine Größe von weniger als 0,8 ha.

Coronabedingt konnte der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft (TG) erst im Juli 2021 gewählt werden. Zusammen mit dem 3-köpfigen TG-Vorstand (Christian Weber, Henrik Schlemme und Sebastian Mecke) will nun das ArL Braunschweig, GS Göttingen den Plan über die gemeinschaftlichen und öffentlichen Anlagen aufstellen.

Im Raum Trögen ist die Landwirtschaft weiterhin ein prägender Bestandteil für das soziale und wirtschaftliche Gefüge. Eine Investition in die örtliche Agrarstruktur bedeutet eine Investition in die Zukunft dieses abseits gelegenen beschaulichen Tals. Daher soll über die Flurbereinigung gezielt die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe gestärkt und langfristig gesichert werden. Neben einer zweckmäßigen Flächenzusammenlegung soll das örtliche Wege- und Entwässerungsnetz optimiert werden. Als weiteres Ziel des Verfahrens ist die Verbesserung des Bodenschutzes in den von Erosion bedrohten Hanglagen sowie der Gewässer- und Artenschutz an den Fließgewässern zu nennen, denn: 80 % der landwirtschaftlichen Nutzflächen sind der höchsten erosionsgefährdeten Stufe „Wasser“ zugeordnet.

Dabei ist einiges zu beachten:

Die landwirtschaftlichen Flächen werden durch parallel verlaufenden stark geneigte Wirtschaftswege erschlossen, die einen weniger guten bis schlechten Ausbauzustand aufweisen.

Grünweg am Hang (Quelle: ArL Braunschweig) Bildrechte: ArL Braunschweig)
Grünweg am Hang (Quelle: ArL Braunschweig)

Eine Arrondierung der Flächen hat, wenn überhaupt, bisher nur auf Pachtbasis stattgefunden. Eine Konturlinien-Bewirtschaftung ist zwar aufgrund des starken Gefälles (Bodenerosion) zweckmäßig, ist aber durch die vorgebebene Topographie und Landschaftsstruktur schwer umsetzbar. Maßnahmen zur Reduzierung der Bodenerosion sind aber wichtig, um der zunehmende Erosionsgefährdung durch Starkregenereignisse auf den Hangflächen entgegenzuwirken. Neben der Ausweisung hangparalleler Bewirtschaftungseinheiten müssen hier auch sog. Erosionsblocker (Anlage von Gehölzen quer zum Hang) zum Einsatz kommen.

Eine zukunftsfähige Landwirtschaft erfordert eine Optimierung der Bewirtschaftungsflächen zu größeren Wirtschaftseinheiten, eine Anpassung des Wirtschaftswegenetzes an die heutigen (Maschinen-) Anforderungen sowie die erforderliche Aufhebung von nicht mehr benötigten Wegen. Damit werden sowohl die Hof-Feld- als auch die Feld-Feld-Entfernungen entscheidend verkürzt.

Eine nachhaltige Landwirtschaft berücksichtigt neben den ökonomischen Zielen auch die langfristige Sicherung eines gesunden Naturhaushaltes; auch dieses Ziel wird über die Flurbereinigung gewährleistet.

Im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff `Wegebau´ sind zum Beispiel linienhafte Biotopmaßnahmen an den dauerhaft wasserführenden Gräben vorgesehen. Neben der verpflichtenden Umsetzung der Eingriffsregelung nach dem Naturschutzgesetz (sog. Ausgleichsmaßnahmen) sollen im Rahmen des Verfahrens auch weitere ökologische Projekte realisiert werden wie eine naturnahe Waldrandgestaltung oder die Anlage von Biotopen. Träger dieser förderfähigen Maßnahmen können Kommunen, Verbände aber auch Privatpersonen sein.

Geplant ist, ökologisch wertvolle Bereiche und Gewässer in der Gemarkung durch kleine aber effiziente Maßnahmen aufzuwerten und langfristig zu schützen. So soll zum Beispiel „Auf dem Dragoneranger“ eine weitere Streuobstwiese angelegt werden. Durch seinen stockwerkartigen Aufbau, seine Strukturvielfalt und den Verzicht auf Spritzmittel bieten Streuobstwiesen vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum.

Da Trögen von weitläufigen Waldgebieten umsäumt ist, werden auch forstliche Waldrand-Maßnahmen gefördert – natürlich abgestimmt mit dem aktuellen Bewirtschaftungsplan der Nds. Forstverwaltung (LWK). Die Anlage eines naturnahen gestaffelten Waldrandes kann zum Beispiel eine klare und sichtbare Trennung der Nutzungen gewährleisten sowie eine Schutzbarriere für den dort anstehenden Hochwald bilden. Dies führt langfristig zu einer Stabilisierung der Holzwirtschaft – auch für die privaten Waldbesitzer in Trögen. Denn durch die Anlage von gestaffelten Waldrändern entlang der bewaldeten Höhenzüge rund um Trögen kann der Holzbestand vor künftigen Sturmschäden effizient geschützt werden.

Artikel-Informationen

erstellt am:
23.11.2021

Ansprechpartner/in:
Dießel, Carola

Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig
Danziger Str.40
37083 Göttingen

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln